Book of Remembrance

Friends, Fans, Musicians & Colleagues

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Dr. Gerd Rudel from Germany wrote on July 11, 2018 at 2:33 pm
Am 12. Juni 2018, neun Tage vor seinem 74. Geburtstag, ist Jon Hiseman an den Folgen eines Gehirntumors und den... Read more
Am 12. Juni 2018, neun Tage vor seinem 74. Geburtstag, ist Jon Hiseman an den Folgen eines Gehirntumors und den Komplikationen nach zwei Operationen gestorben. Für seine Familie (seine Frau Barbara Thompson, mit der er seit 50 Jahren verheiratet war, seine Tochter Ana Gracey und seinen Sohn Marcus), die unendlich vielen Musiker*innen, mit denen er im Laufe seiner Karriere zusammenspielte, für die vielen Freunde, Bekannten und Bewunderer, denen er in der einen oder anderen Weise bei ihren eigenen Projekten unterstützend und beratend zur Seite stand, für die Jazz- und Rock-Szene insgesamt ist dies ein unermesslicher Verlust. Hiseman, der sich in Jazzbands genauso wohl fühlte wie in Rock-Formationen, war nicht nur ein großartiger Schlagzeuger, der durch sein technisches Können und seine Virtuosität überzeugte, ja oft genug verblüffte. Sein Schlagzeugspiel stand vielmehr immer im Dienste seiner Gruppen, das Zusammenspiel, der Band-Sound war ihm immer wichtiger als das eigene Ego. Seine Biografie ist nicht zufällig „Playing the Band“ (ein übrigens sehr, sehr lesenswertes Buch!) betitelt. Dieses Motto fasst seine musikalische Karriere prägnant zusammen. Einem breiteren Publikum bekannt geworden ist Jon Hiseman als Mitbegründer und Leader von Colosseum, jener Band, die von 1969 bis 1971 mit drei Studio-LPs und einer Live-LP (meiner Meinung nach: bis heute unerreichte!) Maßstäbe in Sachen Jazzrock und Prog-Rock setzte. 1994 kam es zu einer Reunion, die bis zum endgültigen Abschiedskonzert am 28. Februar 2015 in London währte und den Fans noch drei Studio- und zwei Live-Platten auf gewohnt hohem Niveau bescherte. Neben seinem Wirken im Rockbereich (wozu auch die Colosseum-Nachfolger Tempest und Colosseum II sowie die erst jüngst ins Leben gerufene JCM-Band gehören) war Hiseman aber schon immer, und das ist vielleicht weniger bekannt, ein gefragter Jazz-Schlagzeuger: im New Jazz Orchestra in den sechziger Jahren oder bei Et Cetera (wo er mit Larry Coryell und Wolfgang Dauner spielte), in der von seiner Frau geleiteten Gruppe „Paraphernalia“ und nicht zuletzt im United Jazz & Rock Ensemble, in der sich die Crême de la Crême des europäischen Jazz ein Stelldichein gab. Dazu kamen eine Vielzahl von Kollaborationen, die hier aufzuzählen zu weit führen würde. Viele der Platten, auf denen er mitgespielt hat, stehen in meinem LP- und CD-Schrank, viele andere habe ich in digitalisierter Form. Ich kann guten Gewissens behaupten: Da ist keine dabei, die ich nicht zumindest als hörenswert einstufen würde. Viele davon, vor allem die Colosseum– und UJ&RE-Platten habe ich über die Jahre hinweg dutzende Male gehört, ohne dass dies jemals langweilig gewesen wäre. Etliche davon würde ich als absolute Meisterwerke einstufen, so zum Beispiel die Doppel-LP „Colosseum live“ von 1971. Wenn Jon Hiseman irgendwo mitspielt, dann bürgt das für musikalische Top-Qualität. Ich habe den Eindruck, dieses Qualitätsbewusstsein übertrug sich auch auf seine Musiker-Kollegen. Chris Farlowe beispielsweise ist in seiner langen Laufbahn nie und nirgends besser gewesen als auf den Colosseum-Veröffentlichungen. Ähnliches gilt wohl auch für Clem Clempson, diesen leider immer noch unterbewerteten Gitarristen. Man höre nur die Vielseitigkeit, mit der er auf der JCM-Platte „Heroes“ besticht. Ich selbst habe Hiseman vier Mal live erleben dürfen: 1971 in London, 2011 in Nürnberg, 2014 in Berlin, jeweils mit Colosseum und 1978 in München mit dem UJ&R-Ensemble. Jedes dieser Konzerte war für mich ein unvergessliches Erlebnis. Jon Hisemans Präsenz und Präzision, seine unglaubliche technische Virtuosität waren beeindruckend. Dazu kam: seine menschliche Ausstrahlung und Wärme, sein Understatement und sein durch und durch britischer Humor. Jon Hiseman, das merkte ich auch, als er nach dem Berliner Konzert für mich sein Buch signierte und wir ein paar Sätze wechseln konnten, war kein Musiker auf dem Ego-Trip, sondern ein freundlicher und zugewandter Mensch. Das wird auch sehr deutlich, wenn man die vielen, sehr persönlichen und berührenden Statements liest, die auf der Colosseum-Fanpage seit dem Bekanntwerden seiner Krankheit und heute nach seinem Tod von Freunden, Musikern und Fans aus aller Welt veröffentlicht wurden. Mit Jon Hiseman verlieren wir einen gleichermaßen sympathischen wie großartigen Musiker. Wir werden ihn vermissen. Was bleibt, ist das immense und so wertvolle musikalische Erbe, das er hinterlässt. Die allerletzte Platte, jene schon erwähnte von JCM, heißt „Heroes„. Damit zollen Jon Hiseman, Clem Clempson und Mark Clarke ihren musikalischen Helden, die schon verstorben sind, einen schönen musikalischen Tribut.... Collapse
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Tribute to Jon Hiseman Concert

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